Der Misanthrop

Eine Short Story von Daniel Mihajlovski

Ich war seit drei Tagen unentwegt am Masturbieren als X endlich kam und mir den Stoff brachte. Mein Herz schlug höher, wobei schneller wohl der bessere Ausdruck ist. Ich freute mich auf das was nun kommen würde, denn das Wichsen war irgendwie langweilig geworden. X bereitet alles vor und setzte mir den Schuss. Absolut perfekt. Er hatte es gelernt, schließlich war er ausgebildeter Pfleger und arbeitete in einer Art Krankenhaus, so was für superreiche Megaspießer. Als ich ihm die berühmte Frage – wissen Irre, dass sie irre sind? – stellte, hatte er nur mild gelächelt. Die Schultern hochgezogen und mir dann seinen Mittelfinger gezeigt. Ich weiß nicht wie viel Zeit seit dem Schuss vergangen ist. Prinzipiell ist es mir eigentlich auch scheiß egal. Nur ab und zu würde ich gern wissen was wir für ein Datum haben und außerdem ist X wieder weg. So ein Mistkerl. Naja, eigentlich ist er schon ganz in Ordnung. Ich kauf auf Kredit bei ihm. Er kommt, macht alles klar und ich träume vor mich hin. Jetzt bin ich leider wieder aufgewacht aus meinen schönen dumpfen Träumen und es juckt mich am ganzen Körper. Ich merke wie ich wieder geil werde. Fast krampfhaft wichse ich meinen Schwanz. Er ist immer noch wund und tut höllisch weh. Mein Trip muss wohl nicht ganz so lang gewesen sein. Zumindest ist mein Schwanz ja immer noch feuerrot. Fuck. Sie holen mich ab…

und geben mir einen Pinsel in die Hand und stellen einen Eimer Farben neben mich. Keine Ahnung was ich damit soll. Sie haben mich alleine gelassen und es stinkt, es stinkt zum Himmel, zur Hölle. „Zur Hölle mit euch“, inklusive dreier Ausrufezeichen schmiere ich an die Wand. Dann male ich noch ein Hackenkreuz drunter – nur so aus Spaß. Nur so um Ihnen was zum Nachdenken zu geben. Diese Idioten. Ich muss dringend scheißen und entschließe mich dazu, einfach hier auf den Teppich zu machen wie ein Hund, so wie der Hund meiner Schwester, dieses Mistvieh. Der scheiß Köter war nicht stubenrein und hat einfach immer und überall alles vollgeschissen, so wie ich jetzt. Schließlich sind wir nichts anderes – wir sind Tiere, wie damals in S. Wenn ich nur daran denke was die dort angestellt haben, vor allem mit den Frauen – man, da könnte ich glatt schon wieder wichsen, aber sie würden alles mitbekommen – diese verdammten Spanner. Ich sollte meine Aggressionen endlich mal in den Griff bekommen, aber stattdessen werfe ich den scheiß Eimer lieber an die Wand und schlage mit dem Pinsel nach allem was sich bewegt. Der scheiß Raum ist voll mit wirren Idioten und Kakerlaken. Und das Beste ist, dass sie sich alle nicht wehren können. Ich schlage auf sie ein, zerquetsche sie, reiß ihnen die Beine aus und trenne ihre Köpfe ab. Ich rutsche auf meinem eigenen Haufen aus – verdammt, warum hab ich mir bloß keine Schuhe angezogen? Die Kacke ist noch warm, so warm wie die Gedärme des Köters meiner Schwester. X klopft mir auf die Schulter – keine Ahnung wie er hier rein gekommen ist – und meint, ich solle mich beruhigen. Der hat keine Ahnung was hier abgeht. Übrigens ist er fett und unausstehlich. Wenn ich ihn sehe, könnte ich jedes Mal kotzen, so fett ist er. Er meint es wäre Zeit für meinen Schuss. Als ob er einen genauen Zeitplan hätte – manchmal denke ich, dass er mich nur süchtig gemacht hat, um überhaupt über irgendetwas herrschen zu können, damit er endlich auch mal Macht haben kann, und um mit mir zu spielen und sich an meinem Unglück zu weiden. Dieser elende Wichser. Irgendwie mag ich ihn aber trotzdem, obwohl er so beschissen fett ist. Was soll ich machen? Ich werfe den Pinsel auf den Boden und er bleibt wie die Fahne der Amis auf dem Mond einfach unbeweglich in meiner Scheiße stecken. Traurig schau ich X an. Er lächelt nur und deutet mit einer Handbewegung an, dass ich ihm folgen soll. Ich trotte ihm langsam hinterher. Er sperrt meine Wohnungstür auf, ich geh an ihm vorbei und die weichen, weißen Wände meiner Bude empfangen mich. Sie werden mein Werk verkaufen. Sie werden Photos meines Haufens machen und wahrscheinlich haben die Schweine meine kleine Performanz auch noch aus allen Ecken gefilmt. Kunst. Und ich? Sie haben mich in der Hand. Aber ich werde sie kriegen, Einen nach dem Anderen und sobald ich kann fange ich bei X an.



 
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3 Comments

  1. Don
    16.05.2011 17:27

    Misanthropie in Reinform.

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