Zombie oh Zombia!

In der Zombieevolution kann von drei Hauptentwicklungsstufen ausgegangen werden. Bei den zuerst auftretenden Zombies handelte es sich, ganz einfach gesagt, um wandelnde, sabbernde Untote – absolut dämliche Gestalten. Nur ein Minifunke hielt das Gehirn am Leben und veranlasste die Kollegen zu zwei Dingen: langsam umher torkeln und Menschenfleisch fressen. Das waren noch gute Zeiten. Die Zombies waren so dämlich und ihre Köpfe so schnell verrottet, dass selbst ein Kleinkind mit ein wenig Kraft und einer guten Schaufel dem jämmerlichen Dasein ein Ende bereiten konnte. Diese Zombiegeneration wurde auf Grund ihres stark beeinträchtigten Bewegungsapparates und ihrer einzigen Stärke unter dem Namen Zombius Retirementus Nazilicus bekannt – der Nazirentnerzombie. Er war absolut langsam, dämlich und nur in Gruppen stark. Alleine war er nicht nur ziemlich uneffektiv, sondern auch kaum überlebensfähig. Diese Schwäche wurde sehr schnell durch die Entertainment Industrie erkannt und gewinn- sowie spaßbringend vermarktet. Von Sendungen wie Schlag den Nazirentnerzombie bis zum persönlichen Punchingzombie war alles geboten. Nur Gruppenaufkommen sollten unbedingt vermieden werden. Die Gruppe war sein einziger Schutz gegen Umwelteinflüsse und Attacken anderer Spezies. Seine kommunikativen Fähigkeiten glichen denen von Regenwürmern. Er gab einfachste Stöhnlaute von sich. Dieses Röcheln diente, soweit der aktuelle wissenschaftliche Stand, jedoch kaum zur Kommunikation und wurde mehr durch den Atemvorgang als durch tatsächliches bewusstes Lauterzeugen ausgelöst. Wie der Nazirentnerzombie seine Umwelt überhaupt wahrgenommen hat bleibt der Wissenschaft ein Rätsel. Viele vermuten, dass letzte taktile Sinne um das Maul herum und ein Greifreflex in den Klauen, ähnlich wie bei Neugeborenen, eine gewisse Interaktion mit der Umwelt ermöglichten. Immerhin gelang ihm mit diesen einfachsten Mitteln das Elementarste: Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung[1].

Der Nazirentnerzombie wurde allerdings ziemlich schnell von einem besser angepassten Exemplar verdrängt. Der Zombius Sapiens Rapidus entwickelte einen schnelleren Gang und benutzt einfachste Werkzeuge. Der schnellere Gang beeinflusst entscheidend seine Nahrungsbeschaffung und führte dadurch zu mehr Fortpflanzungserfolg. Zu seiner enormen Wendigkeit erlernte er den Gebrauch einfacher Werkzeuge. Menschen in Kaufhäusern, hinter Glasscheiben eingesperrt, sind meist durch einfaches an-der-Scheibe-kratzen nicht zu erreichen. Um dieses Dilemma zu lösen, greift der Zombius Sapiens Rapidus, oder auch Schneller Weiser genannt, auf eine einfache aber effektive Methode zurück. Er nimmt große Steine, die er dank zahlreicher Explosionen im Zuge verschiedener Anti-Zombieaktionen überall auf der Straße findet und wirft sie gegen die Scheibe. Einige nutzen Steine und ähnliches auch als Schlagwerkzeug, um an das köstliche Gehirn der Beutetiere zu gelangen. Ähnlich wie einige Primaten Steine zum öffnen von Kokosnüssen verwenden, nutzt der Schnelle Weise Steine um Schädel zu spalten. Da der Wahrnehmungsapparat aber immer noch stark beschränkt ist geschieht es häufig, dass auch Artgenossen als Werkzeuge benutzt werden. Dies führt, mangels massiven Fleisches und sprödem Knochenbau, zu einer riesigen Sauerei. Der Wahrnehmungsapparat unterscheidet sich allerdings in einem Punkt massiv von dem der ersten Generation. Der Geruchsinn ist ausgeprägter. Beutetiere werden rar und verschanzen sich zusehends hinter sicheren Schutzwällen. Ein guter Geruchsinn erleichtert das Aufspüren der verbleibenden Beute enorm. Der Schnelle Weise verlässt immer häufiger seine Herde. Es wird für ihn immer gefährlicher in Gruppen aufzutreten. Große Zombieherden sind für die AntiZombieFraktion ein einfaches strategisches Ziel. Aber dank seiner schnelleren Bewegungsweise und dem minimalen Grad an Intelligenz ist der Schnelle Weise nicht mehr auf seine Gruppe angewiesen um effektiv zu jagen und sich fortpflanzen zu können. Seine Innovationen ermöglichen es ihm, sich nun auch autonom und individuell auf die Jagd zu machen. Dieser neue Individualismus verschafft ihm eindeutige Vorteile gegenüber dem Nazirentnerzombie und lässt ihn lange Zeit als Erfolgsmodell an der Spitze der Zombiespezies stehen. Erst die Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen führt zu einem erneuten Entwicklungsschritt in der Zombieevolution.

Fortpflanzung ist für die ersten beiden Entwicklungsschritte des Zombies noch gleichbedeutend mit Nahrungsaufnahme. Die Natur hat es gut eingerichtet. Der Nazirentnerzombie, wie auch sein Nachfolger der Schnelle Weise mussten sich nur auf eine Sache konzentrieren. Fressen. Denn Fressen führt automatisch zur Fortpflanzung und damit zum Erhalt der Art. Der dritte Typus muss sich nun neu ausdifferenzieren. Es genügt für ihn nicht mehr einfach zu fressen, um sich fortzupflanzen. Zwei Gründe führten zur Trennung von Fortpflanzung und Nahrungsaufnahme: Zum einen begingen die beiden ersten Zombietypen absoluten Raubbau an den natürlichen Ressourcen und achteten nicht auf Nachhaltigkeit. Sie verbrauchten die Weltbevölkerung schneller als diese sich regenerieren konnte. Zum anderen versuchte die AntiZombieFraktion durch eine chemische Verzweiflungstat dem Zombieismus ein Ende zu setzen. Sie sprühten ein Mittel in die Atmosphäre, dass Immunität gegen den Speichel der Zombiegeneration I und II hervorrief. Der dritte Typus muss nun neue Wege gehen. Das Nahrungsproblem löst der Zombius Magnus Rammelus mit Ausweichen auf Substitutionsgüter, vor allem Kleintiere, die zuvor noch nicht in sein Beuteschema gefallen waren, werden nun herangezogen. Dabei werden die Ratten und Feldhasen, dank ihrer enorm schnellen Fortpflanzung, zur Hauptnahrungsquelle. Ein scheinbar unbegrenzter Rohstoff. Allerdings findet der Zombie in den Kleintieren keinen idealen Fortpflanzungspartner um seine Gene weiterzugeben. Der Speichel wirkt nicht nur nicht mehr auf Menschen, sondern auch nicht mehr auf alle anderen Lebewesen. Ein letzter Schlag des Menschen – sozusagen Ausrottung durch Zerstörung der Fortpflanzungsfähigkeit. Das Erfolgsmodell Zombie findet aber auch hierfür eine Lösung. Er entwickelt ein enorm wendiges und riesiges Glied mit dem er sein Sperma verteilen kann. Sein Ejakulat wird im Gehirn gebildet und ist so, anders als der Speichel, keine Flüssigkeit die durch Verwesung entsteht sondern Teil des noch lebendigen Organismus, also Teil des Funkens im Gehirn, der den Zombie am Leben erhält. Dies erklärt auch, warum sich das Glied am Kopf des Großen Rammlers befindet. Trotzdem sind die für die Paarung in Frage kommenden Spezies begrenzt. Der aktuelle Forschungsstand geht davon aus, dass sich die Fruchtbarkeit des Zombiespermas nur auf Menschen und andere Primatenarten erstreckt. Das Zombiesperma ist ein genialer Schritt der Evolution, um die absolute Begrenztheit der möglichen Partner optimal auszunutzen. Es ist sehr effektiv und potent. Findet der Große Rammler einen Partner und gelingt es ihm das Ejakulat in das Innere, also auf das lebendige Fleisch zu spritzen, „gebiert“ der Empfänger innerhalb von 40 Tagen zwischen 80 und 120 Nachkommen. Die „Mutter“ dient zugleich als erste Nahrungsquelle, bevor die Nachkommen weiterziehen und auf Hasen und Rattenjagd gehen.Durch diese neuartigeFortpflanzungsmethode kommt es zu immer mehr neuen hybriden Formen.

Die Forschung steckt in diesem Bereich noch in den Kinderschuhen. Experten, mich eingeschlossen, sind der Meinung, dass der Zombius Magnus Rammelus in nicht allzu ferner Zukunft seinen z. Z. noch koexistenten Verwandten Zombius Sapiens Rapidus verdrängen wird.

Wie die weitere Evolution des Zombies aussehen wird ist noch unklar, bleibt aber ein spannendes und für unser Überleben notwendiges Forschungsfeld.

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Prof. Dr. Romero ist führender Experte auf dem Gebiet der Zombieologie und lehrt derzeit an der State University of Haiti in Port-au-Prince.


  • [1]In der Zombieologie wird mit dem Terminus Fortpflanzung gemeinhin das übertragen des Speichels in die Wunden des Beutetiers bezeichnet. Speichel dient hierbei als Füllwort für jegliches potentes Körpersekret, das beim Verwesungsprozess entsteht. Genauere Informationen zur Zusammensetzung dieser Flüssigkeiten finden sich in Roessner, Preifer u.a. (Hg.): Allgemeine Pathologie und Grundlagen der Speziellen Pathologie, erschienen im Urban & Fischer Verlag.



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    11 Comments

    1. Chef
      02.04.2011 08:01

      Geiler Movie zu dem Thema

      Brutal Relax

    2. more crap
      05.04.2011 08:23

      Haha, das tool brauch ich!
      Zombie Defense

    3. Chef
      05.04.2011 11:30

      Fuck! Claymation Kettensägenmassaker!!!

      (on Bastardmagazine.de)

    4. Robin
      15.04.2011 09:34

      Mieses Maedel muss dann wohl ein Rammler Koenigen seien!
      http://chzfailafterdark.files.wordpress.com/2011/04/dont-be-such-a-dick-head.jpg

    5. Don
      26.04.2011 19:03

      Der Kongress für alle Zombie-Fans!!! 12. – 14. Mai in HH.

      HP

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    6. Pingback
    7. more crap
      15.05.2011 10:24

      Der Daddy of the Dead über “FleshEaters”

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